Claudio

Von Claudios Skulpturen …

Raumgreifend und doch voller Innerlichkeit sind seine Skulpturen – Seins-Erfahrungen manifestieren sich darin. Sie markieren das Spektrum erlebnisreicher Zäsuren und verkörpern als künstlerische Ideen die nach außen drängenden Vorstellungen von Leben. Insgesamt zielen diese auf eine inhaltliche Weitung rezeptiver Wahrnehmung seiner Kunst. Die figürlichen Darstellungen des Bildhauers Claudio sind wie ein Extrakt seiner bejahenden Sicht auf den Menschen – auf all die Facetten individuellen Seins, das sich singulär wie auch als Teil einer Gemeinschaft artikuliert.

Der Blick auf das Andere im Menschen, der stete Versuch, über die äußere Erscheinung den Kern des eigentlichen Befindens zu treffen, bis zur Aufdeckung ursächlicher Gegebenheiten von Existenz und Lebensäußerung, charakterisiert das künstlerische Anliegen.

Im gestischen Ausdruck der Physiognomie und Intensität erzählender Mimik offenbart sich die Spannweite einer zur Auseinandersetzung zwingenden Beobachtung der Realität. Sie mündet in figürlichen Darstellungen, die sowohl die Ganzfigur wie u.a. Dame von Welt III, Der Rosenkavalier oder Alter Ego II, wie auch portraitähnlichen Büsten und Köpfen wie u.a. Was geht ab, Zwiegespräch oder carpe diem implizieren. Die Konzentration auf die Vielschichtigkeit menschlichen Befindens in der Wirklichkeit führt dabei zu einer Überhöhung in der Gestaltgebung, die zur Verallgemeinerung von Wesensmerkmalen als Typus führt. Die Bemalung – insbesondere die seiner Holzskulpturen – setzt darüber hinaus Akzente und führt zur Hervorhebung von Gesten in einer verdichteten Körpersprache, die zum Sinnbild avanciert.

Einhergehend damit offenbart sich sein persönlicher Impetus, der sich im Prozess der Entstehung seiner Skulpturen an der Wahrhaftigkeit ihrer Figurationen reibt. Das dieses Prozedere stets von einem Ringen um qualitative Gültigkeit begleitet wird, charakterisiert die Arbeitsweise Claudios und die Ernsthaftigkeit seines Anspruchs und manifestiert sich in Skulpturen von wahrhaftiger Ausstrahlung und Kraft.

Die Virtuosität in der Handhabung des Materials macht das Spektrum der gestalterischen Kraft Claudios bewusst. Einhergehend damit ist sein Anspruch nach Gültigkeit, der sich als Kontinuität seines künstlerischen Weges und in seinen Formerfindungen artikuliert.

Kunsthaus ARTES, Hannover, formulierte dies wie folgt: Claudio beherrscht das bildhauerische Vokabular vom klassischen bis hin zum Experimentellen und ganz besonders die Kunst des Porträts. Purer Realismus und fragile Bildsprache prägen sein Werk und machen ihn zu einem der expressivsten und kompromisslosesten Künstler der jungen Berliner Avantgarde. Er scheint prädestiniert zu sein, der Skulptur neue Impulse zu geben.

Die Vielgestaltigkeit des skulpturalen Werks von Claudio macht die Rezeption spannend.

Kunsthistorikerin Dr. Petra Lange
Galerie Petra Lange, Berlin